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Fettleber verhindern

Knapp ein Viertel aller Erwachsenen in Europa sind von einer nicht-alkoholischen-Fettlebererkrankung (NAFLD) betroffen – und ihre Zahl nimmt stetig zu. Neben rund 85 Prozent aus der Gruppe der stark Übergewichtigen und der Diabetiker leidet auch jedes dritte übergewichtige Kind an einer Fettleber. Führt das vermehrte Fett im Laufe der Zeit zu einer Entzündung der Leber, drohen schwerwiegende gesundheitliche Folgen: Irgendwann kann die Leber als zentrales Verdauungs- und Stoffwechselorgan des Körpers ihre Entgiftungs- und Synthesefunktion nicht mehr erfüllen – und dann entgleisen allmählich die Blutzucker- und Blutfettwerte. Das Lebergewebe verhärtet sich, vernarbt und beginnt schließlich zu schrumpfen. Diagnose: Leberzirrhose. Da es keine wirksamen Medikamente gegen eine Fettleber gibt, ist eine Ernährungsumstellung der einzige Behandlungsansatz. Aber welches Ernährungsregime ist hilfreich? Und wie können gezielt entwickelte Lebensmittel diese Diät unterstützen?

„Lassen Sie sich nicht vom Namen täuschen: Fettleber ist KEINE Krankheit, an der nur übergewichtige Menschen leiden.“

Todesursache Leberzirrhose

Viele der Betroffenen leiden an einer Fettleber ohne es zu wissen, denn Symptome treten erst spät auf und sind diffus. Bleibt eine Fettleber lange unerkannt und unbehandelt, ist die Leberzirrhose unter Umständen schon weit fortgeschritten. Im Endstadium ist eine Lebertransplantation dann nach wie vor die einzige Therapie. Allerdings mangelt es an geeigneten Organen: Jeder Transplantation stehen zwei neue Patienten auf der Warteliste gegenüber. Auch deshalb haben sich die Todesfälle infolge einer Leberzirrhose in den letzten 25 Jahren verdoppelt.

 

Die Stiftung Eurotransplant

Wer aus medizinischen Gründen eine Spenderleber braucht, ist auf Wartelisten angewiesen, die von der Stiftung Eurotransplant geführt werden. Diese gemeinnützige Organisation vermittelt und koordiniert den internationalen Austausch sämtlicher Spenderorgane in einem Verbund aus acht europäischen Ländern (Abb. 1): Belgien, Deutschland, Kroatien, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich, Slowenien und Ungarn. Diese gebündelte Vermittlung der Spenderorgane aus einer Hand soll eine möglichst effektive Versorgung der Patienten auf den Wartelisten gewährleisten.

Abb. 1: Der Eurotransplant Verbund

 

Warten auf die neue Leber

Ob ein Patient überhaupt auf die Warteliste für eine Organspende gesetzt wird, entscheidet das zuständige Transplantationszentrum anhand strenger Richtlinien. Ausschlaggebend sind unter anderem der zu erwartende Transplantations-Erfolg und die Dringlichkeit des Eingriffs für das Überleben und die Lebensqualität des Patienten. Wer sich auf der Warteliste befindet, muss stets erreichbar sein. Denn sobald ein passendes Spenderorgan zur Verfügung steht, muss er sich auf den Weg in das zuständige Transplantationszentrum machen.

Ist die ermittelte Person nicht erreichbar oder erkrankt, wird die nächste geeignete Person auf der Warteliste informiert. Patienten mit alkoholbedingter Zirrhose dürfen erst auf die Warteliste, wenn sie für mindestens sechs Monate komplett auf Alkohol verzichtet haben. Denn statistisch gesehen steigt bei Patienten, die diese sechs Monate vor einer Transplantation nicht eingehalten haben, die Gefahr, dass sie rückfällig werden und auch die neue Leber zerstören. Angesichts des Organmangels kategorisiert die Deutsche Bundesärztekammer potenzielle Empfänger einer Spenderleber in rettungswürdig und nicht rettungswürdig. „Wir müssen abwägen: Stirbt dieser Patient oder jener Patient.“

 

Die Risiken der Lebertransplantation

Die Lebenserwartung nach einer Lebertransplantation ist in erster Linie vom allgemeinen Gesundheitszustand und von der Grunderkrankung des Patienten abhängig. Neben den allgemeinen Operationsrisiken, die jeder chirurgische Eingriff mit sich bringt, können bei der Lebertransplantation zusätzlich einige typische Komplikationen auftreten – wie etwa die Nichtfunktion des Transplantats oder ein erhöhtes Blutungsrisiko.

Da der Patient nach einer Lebertransplantation Medikamente einnehmen muss, die das Immunsystem unterdrücken, besteht ein deutlich erhöhtes Infektionsrisiko. Auch eine Abstoßungsreaktion ist möglich: Dann arbeitet das körpereigene Immunsystem gegen das neue Organ, das es als Fremdkörper wahrnimmt. Tritt nach einer Transplantation die Grunderkrankung wieder auf oder versagt auch die Spenderleber, ist ein erneuter Eingriff notwendig.

Leider verschlechtern sich die Überlebensraten nach Lebertransplantationen bereits seit Jahren. Ein Faktor: Da in einer alternden Gesellschaft auch die Organspender immer älter werden, stehen zunehmend suboptimale Organe zur Verfügung, die in immer kränkere Patienten transplantiert werden. Im Durchschnitt liegt die Ein-Jahres-Überlebensrate bei 90 Prozent, die 10-Jahres-Überlebensrate bei 70 Prozent.

 

Prävention und Therapie durch Ernährung

Leider existiert keine wirksame Medikation, um eine nicht-alkoholische-Fettlebererkrankung (NAFLD) erfolgreich zu behandeln. Allerdings hat sich gezeigt, dass ein Gewichtsverlust von mehr als 10% sowohl die Entzündung des Organs als auch die krankhafte Vermehrung des Bindegewebes (Fibrose) und die Verfettung der Leber (Steatose) verringern kann. In diesem Zusammenhang empfehlen aktuelle Richtlinien den betroffenen Patienten, gesättigte Fette, Kalorien und Kohlenhydrate zu reduzieren.

Könnte Vollkornmehl einen Beitrag zu einer Leber-gesunden Ernährung leisten? Seine positive Wirkung im Zusammenhang mit Stoffwechselkrankheiten konnte jedenfalls bereits nachgewiesen werden. Mögliche Effekte auf NAFLD wurden allerdings bislang noch nicht ausreichend untersucht. Man nimmt aber an, dass sich der Verzehr von Vollkornmehl und -produkten aufgrund des höheren Gehalts an Nährstoffen und sekundären Pflanzeninhaltsstoffen bei NAFLD-Patienten positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken könnte. Besonders die spezifischen Eigenschaften sekundärer Pflanzeninhaltsstoffe machen Hoffnung: Sie wirken nicht nur entzündungshemmend, sondern haben auch positiven Einfluss auf das Darmmikrobiom.

 

Die Vollkornbrot-Studie[1]

Um die gesundheitlichen Effekte von Vollkornprodukten auf Menschen mit NAFLD zu überprüfen, wurde kürzlich eine 12-wöchige Studie durchgeführt. Über diesen Zeitraum verzehrte eine Gruppe Übergewichtiger überwiegend Weizen-Vollkornbrot, während eine zweite Gruppe Brot aus raffiniertem, hellem Weizenmehl zu essen bekam. Am Ende der Studie litten insgesamt 33% der Probanden an einer Verfettung der Leber – 44% der Weißmehl-Gruppe und 25% der Vollkornbrot-Gruppe. Darüber hinaus konnte bei den Teilnehmenden der Weißmehl-Gruppe eine statistisch signifikante Abnahme der Darmmikrobiom-Diversität nachgewiesen werden. Auf der Grundlage dieser Daten kamen die Autoren zu dem Schluss, dass eine Weizenvollkornbrot-reiche Ernährung helfen könnte, die Entwicklung von NAFLD zu verhindern.[2]

Diese Studie ist ein erster kleiner Schritt auf dem langen Weg, nicht-alkoholische-Fettlebererkrankungen durch eine Ernährung mit gesundheitlich optimalen Lebensmitteln zu verhindern. Die Studie zeigt eindrucksvoll, welche heilenden Kräfte in der Natur liegen. Um ihr volles Potential zu nutzen, brauchen wir mehr Studien und funktionale SuperFood-Lebensmittel, die den Unterschied ausmachen. Dann – und nur dann – wird der Traum von Hippokrates war: „Eure Nahrung sei eure Medizin und eure Medizin eure Nahrung.“

 

 

[1] Sophie Schutte et al., A 12-wk whole-grain wheat intervention protects against hepatic fat: the Graandioos study, a randomized trial in overweight subjects, Am J Clin Nutr 2018;108:1264–1274.

[2] Diese Studie wurde durch öffentlich-private Partnerschaft mit dem Titel „Combining innovation with tradition: improving resilience with essential nutrients and whole wheat bread“ durchgeführt, finanziert durch Topsector Agri & Food (TKIAF 12083) und TNO roadmap Nutrition & Health, kofinanziert durch Cereal Partner Weltweit (Nestlé & General Mills), dem Dutch Bakery Center und der GoodMills Innovation GmbH.

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