Moonshot _ 10

Gesundes Snacken

Feste Essenszeiten werden weltweit immer unbedeutender. Man setzt sich nicht mehr dreimal täglich zu festen Zeiten gemeinsam an den Tisch. Man isst dann, wenn man hungrig ist – egal wann und egal wo. Mobiles Snacking ist die zeitgemäße Lösung für unterwegs: Portionsweise verpackt, leicht mit einer Hand zu essen und mit gesundem Image – so kämpfen Müsli-Riegel, Protein-Shakes und Smoothies um Marktanteile. Dabei ist die Kreativität der Entwickler aber schon längst an ihre Grenzen gestoßen: Denn statt spannender Innovationen gibt es immer mehr vom Gleichen. Langeweile macht sich breit. Wo sind die neuen gesunden Produktkonzepte, die uns begeistern?

„Schokolade ist wirklich ein Problem. Ich versuche gerade, gesund zu leben, daher esse ich Johannisbrotchips, die so eine Art Schokolade sind. Aber manchmal nehme ich einen Mitternachtssnack, wache auf und finde Schokolade in meinem Bett.“

Claire Holt

Der Snack: die vergessene Kalorie

Der Terminplan ist eng, zum Essengehen bleibt keine Zeit und ans Selberkochen ist gar nicht zu denken. Deshalb gibt’s gegen den kleinen Hunger einen schnellen Snack für zwischendurch. „Snack“ klingt irgendwie so schön klein, leicht und gar nicht nach einer richtigen Mahlzeit – und genau das ist das Problem. Englische Forscher haben herausgefunden, dass snackende Menschen eher dazu neigen, zu viel zu essen. Ihre Erklärung: Offenbar geraten Snacks schnell in Vergessenheit und spielen gedanklich bei der täglichen Kalorienbilanz keine Rolle.

In Deutschland wurde mittlerweile sogar steuerrechtlich geklärt, dass ein Snack keine vollwertige Mahlzeit ersetzt. Lange Zeit mussten Geschäftsreisende jeden Snack beim Finanzamt deklarieren – auch die Mini-Tüte mit 10 Gummibärchen, die im Linienflieger zum Getränk gereicht wurde. Verpflegungspauschalen in der Reisekostenabrechnung wurden entsprechend gekürzt.

Nach deutlichen Protesten korrigierte das Bundesfinanzministerium seine Ansicht und machte in einem Schreiben deutlich: „Es kommt […] nicht allein darauf an, dass dem Arbeitnehmer etwas Essbares vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt wird, sondern auch, ob es sich dabei um eine der im Gesetz genannten Mahlzeiten handelt. […] Auch die z. B. auf innerdeutschen Flügen oder Kurzstrecken-Flügen gereichten kleinen Tüten mit Chips, Salzgebäck, Schokowaffeln, Müsliriegel oder vergleichbare andere Knabbereien erfüllen nicht die Kriterien für eine Mahlzeit und führen somit zu keiner Kürzung der Pauschalen.“

 

Snack Drinks: Wie gesund sind Smoothies?

Fünf Portionen Obst und Gemüse täglich, lautet die gängige Empfehlung von Ernährungsexperten. Gar nicht so einfach in unserem hektischen Alltag. Da kommt ein Smoothie – also ein pürierter Mix aus Früchten – scheinbar wie gerufen: Mit einer kleinen Flasche lassen sich locker bis zu zwei Portionen der täglichen Ration abdecken, versprechen viele Hersteller. Gesundheit „to go“, sozusagen. Genau das Richtige für gestresste Büromenschen. Nur: Sind Smoothies tatsächlich ein gleichwertiger Ersatz für frisches Obst?

 

Nährstoffe gehen verloren

Im Gegensatz zu herkömmlichen Fruchtsäften enthalten Smoothies die komplette Frucht mit Ausnahme der Schale und der Kerne. Viele Nährstoffe, die z. B. bei Äpfeln direkt unter der Schale sitzen, sind damit gar nicht enthalten. So gehen schon im ersten Schritt wichtige Vitamine, Ballast- und Mineralstoffe sowie sekundäre Pflanzenstoffe verloren. Für die typische sämige Konsistenz wird das pürierte Fruchtfleisch dann meist noch mit Saft gemischt. Als Faustregel gilt: Je höher der Saftanteil im Smoothie, desto geringer der Anteil an Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen.

 

Kauen ist besser als trinken

Auch die flüssige Konsistenz selbst ist eigentlich ein Nachteil: Obwohl Smoothies hinsichtlich Nährwert und Kalorien eher eine kleine Mahlzeit sind, nehmen wir sie wie ein Getränk zu uns. Der Sättigungseffekt ist damit deutlich geringer als bei festem Obst, das zunächst länger zerkaut werden muss und durch sein größeres Volumen den Magen besser ausfüllt. Festes Obst macht bei gleicher Kalorienmenge also schneller, besser und länger satt als jeder Smoothie. Deshalb sollten wir bei Lust auf Obst lieber direkt in einen Apfel beißen.

 

Gesundheitsrisiko Smoothie

Wissenschaftler der renommierten Bostoner “Harvard School of Public Health“ haben in einer 24 Jahre dauernden Studie mit knapp 190.000 Teilnehmern die Auswirkungen von Smoothies und Fruchtsäften auf die Gesundheit untersucht. Das Ergebnis: Die positiven Effekte der abgepackten Obstprodukte seien nicht nur gering, Smoothies könnten sogar krank machen. Wer Obst in flüssiger Form zu sich nehme, steigere sein Risiko, an Diabetes mellitus zu erkranken. Trauben, Äpfel, Birnen und Heidelbeeren hätten hingegen positive Auswirkungen auf den Insulinhaushalt – sofern sie nicht getrunken, sondern gegessen würden.

 

Ist Selbstpressen die Lösung?

Abgepackte Säfte sind also nicht so gesund, wie uns die Lebensmittelindustrie weißmachen will. Ist Selbstpressen also die Lösung? Ernährungsexperten sehen das kritisch: Denn wer sein Obst selbst auspresst, zerstört ebenfalls wertvolle Mineralstoffe und Vitamine, die unter der Schale stecken. Ins Glas kommen letztlich Wasser und eine Menge Fruchtzucker, der über den Darm schnell ins Blut gelangt und den Blutzuckerspiegel in die Höhe treibt. Einen guten Orientierungspunkt liefert die Frage, wie viel man von dem Obst, das man auspressen möchte, essen könnte. Denn das wäre die Menge an Fruktose, die unser Körper aufnehmen kann.

 

Typologie des Snack-Nutzers

Das Marktforschungsinstitut infratest hat den deutschen Snack-Markt und die Motivationen seiner Kunden untersucht. Zunächst wurde herausgefiltert, dass die Mehrheit der Befragten einen Snack als eine kleine schnelle Zwischenmahlzeit betrachtet, hin und wieder auch als Mahlzeiten-Ersatz. Egal ob süß oder herzhaft: Mit Snacks werden Eigenschaften wie einfacher und unkomplizierter Verzehr oder Unabhängigkeit von Raum und Zeit assoziiert. Die Befragten snacken bevorzugt nachmittags und abends und versprechen sich davon auch einen emotionalen Mehrwert. Es geht unter anderem darum, sich zu belohnen, sich die Zeit zu vertreiben, in bestimmten Situationen durchzuhalten oder auch Kontakte anzubahnen.

Der Snack-Markt ist äußerst komplex und eine klare Segmentation hat sich als sehr schwer herausgestellt. Den typischen Snacker gibt es nicht. Ein und dieselbe Person wird in verschiedenen Situationen aus diversen Gründen unterschiedlich auf das gleiche Snack-Angebot reagieren. Die Marktforscher haben dennoch 6 Grundmuster ausgemacht, die deutlich voneinander abgrenzbar sind.

 

  1. Der ultimative Kick
  • Hauptmotive: Energie tanken, um physisch und psychisch fit zu sein, um Karriere zu gestalten oder generell persönliche Ziele zu erreichen
  • Assoziierte Produkterlebnisse: knackig, mit Biss, frisch und fruchtig, eher kräftig
  • Snacking-Anlässe: ehrlicher Appetit, Sofort-Orientierung, auch Ersatz einer Hauptmahlzeit
  • Typische Produkte: Salate, Fruchtschnitte, Vitaminriegel, Trockenobst. Gesunde Produkte: ausgewogen, aber ohne Geschmacksverzicht
  • Korrespondierende Erlebniswelten: eher outdoor-orientiert, sportlicher oder beruflicher Leistungssektor
  1. Spaß, Spiel, Spannung
  • Hauptmotive: Fun und Geselligkeit unter Freunden, dem Alltag ein Schnippchen schlagen, unbeschwert genießen
  • Produkterlebnisse: sorgloses Durcheinander-Essen ohne Rücksicht auf Kalorien, alles was kernig und knusprig ist, süß oder salzig
  • Snacking-Anlässe: von „richtig Kohldampf“ bis „einfach Lust drauf haben“
  • Typische Produkte: Gummibärchen, Schoko-Riegel, Studentenfutter, alles was man teilen kann
  • Erlebniswelten: freizeit- und spaß-orientiert. Werte wie Toleranz und Kameradschaft spielen eine große Rolle.
  1. Füße hoch und abschalten
  • Hauptmotive: dem Alltag entfliehen, eine Auszeit nehmen, sich auf sich selbst besinnen
  • Produkterlebnisse: weich, eher lutschen als kauen, schnuckelig, richtig schön süß
  • Snacking-Anlässe: kleine Verwöhn-Momente zum Trost oder zur Entspannung. Typisches Verhalten ist der Griff in die Tasche oder Schublade. Vorratshaltung des Lieblingssnacks spielt eine große Rolle.
  • Typische Produkte: gefüllte Schokoladen, Kekse, Waffeln, Pudding
  • Erlebniswelten: Cocooning, eher indoor-orientiert. Werte wie Vertrauen und Harmonie sind positiv besetzt.
  1. Leerer Bauch studiert nicht gern
  • Hauptmotive: schnelle Sättigung, Hungergefühl abblocken
  • Snacking-Anlässe: Heißhunger, häufig Mahlzeiten-Ersatz
  • Produkterlebnisse: „heiß und fettig“, was Substantielles, nicht wählerisch, das Nächstbeste, Hauptsache praktisch und schnell, aus der Hand essen
  • Typische Produkte: Bratwurst, Hot Dog, Pommes Frites mit Mayonnaise, eher herzhaft als süß.
  • Erlebniswelten: eher nüchtern, im Alltag den Kopf oben behalten, im Einklang mit sich selbst.
  1. Alles unter Kontrolle
  • Hauptmotive: diszipliniertes Essen, dem Körper nur das Notwendigste zuführen, Verzicht, nur keine Völlerei
  • Snacking-Anlässe: klar markierte Abschnitte in einem strukturierten Tagesablauf
  • Produkterlebnisse: leicht, luftig, kleine Stückchen, sauber, sich nicht die Hände schmutzig machen
  • Typische Produkte: kalorienreduzierte Feinkostprodukte, Suppen, Reiscracker oder Sojaprodukte
  • Erlebniswelten: bestimmt von den Prinzipien Übersichtlichkeit und Planbarkeit, spielen sich eher in den eigenen vier Wänden ab
  1. Das Stückchen Extravaganz
  • Hauptmotive: Verwöhnen und Belohnen mit demonstrativem Charakter, gerne in ausgesuchter Gesellschaft
  • Snacking-Anlässe: kleine Feten, Empfänge, Geschäftstreffen
  • Produkterlebnisse: edel, fein, mit Messer und Gabel, nett angerichtet, das Auge isst mit
  • Typische Produkte: Delikatessen, Pralinen, In-Produkte wie Hummer, Krustentiere, Sushi
  • Erlebniswelten: geprägt von der Inszenierung des eigenen Wohlstands, Stil und Qualität

 

Der Snack der Zukunft

Nach all den negativen Einschätzungen über feste und flüssige Snacks bleibt die Frage: Ist es überhaupt möglich, leckere Snacks zu entwickeln, die nicht nur das Bedürfnis nach einer sättigenden Zwischenmahlzeit erfüllen, sondern auch über ein gesundes Nährstoffprofil verfügen?

Eins steht jedenfalls fest: Die Menschen werden auch in Zukunft weiter snacken. Dabei sind die Ansprüche hoch: Geschmack, Convenience und gesunde Ernährung sind die Zutaten, die man für den Snack der Zukunft benötigt. Aber lassen sich alle drei Ansprüche in einem Produkt vereinen?

Unsere Lösung:

Wir arbeiten daran…

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