Moonshot _ 06

Das Ende der Viehzucht

Pflanzen säen, Tiere schlachten: Die Landwirtschaft arbeitet trotz aller Industrialisierung schon ewig mit den gleichen Verfahren. Das könnte sich jetzt grundlegend ändern. Denn neue Technologien werden die Art, wie wir Lebensmittel produzieren, schon bald radikal verändern. Es wird Zeit, denn Produktion und Verzehr von tierischem Fleisch sind weder nachhaltig noch gesund. Der hohe CO2-Ausstoß ist schädlich für das Klima, Exkremente und Gülle verschmutzen das Grundwasser und das Endprodukt ist je nach Aufzucht und Haltung mit Hormonen und Antibiotika belastet. Darüber hinaus ist selbst die auf Höchstleistung getrimmte Massentierhaltungs-Industrie nicht in der Lage, den Wunsch der wachsenden Erdbevölkerung nach Fleisch zu stillen. Der gibt zwar Alternativen und der Markt für Fleischersatzprodukte wächst, aber Tofu, Seitan und Co. haben es bisher noch nicht geschafft, den Massengeschmack fleischgewohnter Kunden zu treffen.

„Wir denken nicht über Ernährung nach, nicht über Gesundheit und erst recht nicht über die ethischen Aspekte dessen, was in den Laboren passiert.“

Maßlose Ressourcenverschwendung

Der Konsum von Fleisch, Milch, Milchprodukten, Eiern und anderen tierischen Produkten erzeugt nicht nur Tierleid, sondern ist auch eine riesige Verschwendung von Ressourcen – insbesondere von Wasser. Ganze 86 Prozent des weltweit genutzten Wassers werden zum Anbau von Lebensmitteln verwendet, die etwa zur Hälfte in den Trögen von Nutztieren landen. Vor dem Hintergrund, dass wir nur 2,6 Prozent des weltweiten Wassers überhaupt nutzen können, wirkt dieser Umgang mit einer unserer überlebenswichtigsten Ressourcen noch verschwenderischer und verantwortungsloser. Würde sich die Menschheit rein pflanzlich ernähren, könnte dieser immense Wasserverbrauch nicht nur deutlich reduziert werden, auch großes Tierleid würde verhindert.

 

Berechnung des Wasserfußabdrucks

Um zu verdeutlichen, wie viel Wasser zur Herstellung eines bestimmten Produkt eingesetzt werden muss, wird dessen so genannter Wasserfußabdruck berechnet. Er berücksichtigt den Wasserverbrauch für das jeweilige Produkt entlang seines gesamten Produktionsprozesses. Dabei verbrauchen tierische Produkte generell wesentlich mehr Wasser als pflanzliche.

Vergleicht man zum Beispiel die Wasserfußabdrücke eines Rindfleisch-Burgers und eines Soja-Burgers, kommt die fleischlose Variante mit einem Bruchteil der Wassermenge aus, die für die Fleischvariante benötigt wird: Ein 150-Gramm-Rindfleischburger schluckt in der Herstellung durchschnittlich 2.350 Liter Wasser, während ein Sojaburger im Durchschnitt nur 158 Liter benötigt. Auch bei der Produktion von Milch und Sojadrink sind die Unterschiede eklatant: Während für einen Liter Kuhmilch durchschnittlich 1.050 Liter Wasser benötigt werden, sind es für einen Liter Sojadrink lediglich 297 Liter.

 

 

 

Futtermittel: der größte Wasserfaktor

Nach einem kurzen Leben von drei Jahren erreicht ein Rind in der Regel die Schlachtreife. Bis dahin hat es 1.300 Kilo Getreide und 7.200 Kilo Heu oder Silage gefressen. Um ein Kilo Rindfleisch zu erzeugen, werden bis zu 16 Kilo Futtermittel benötigt – deren Produktion wiederum Unmengen an Wasser verschlingt und den größten Anteil am Wasserverbrauch bei tierischen Produkten ausmacht. Beim genannten Futterverbrauch werden bei der Produktion eines einzigen Kilos Rindfleisch sagenhafte 15.300 Liter Wasser verbraucht. Und bei dieser Rechnung sind das Trinkwasser für die Tiere und das Wasser, das zur Reinigung der Ställe genutzt wird, noch nicht einmal berücksichtigt.

 

Nutztierhaltung als Umweltverschmutzung

Die landwirtschaftliche Tierhaltung ist nicht nur für einen immensen Wasserverbrauch verantwortlich, auch zur Wasserverschmutzung trägt sie einen großen Teil bei. Werden Exkremente und Gülle auf den Feldern ausgebracht, versickern Schadstoffe im Boden und gelangen ins Grundwasser. Auch Medikamentenreste und resistente Keime landen über die tierischen Ausscheidungen in der Natur und – da Kläranlagen diese Schadstoffe nicht aus dem Wasser filtern können – schlussendlich in unseren Gläsern und auf unseren Tellern.

Um die Größenordnung dieses Problems zu verdeutlichen: Allein die in Deutschland gehaltenen Schweine erzeugen doppelt so viele Abwässer wie die menschliche Bevölkerung – und das, obwohl nur auf jeden dritten Einwohner ein Schwein kommt. Wenn wir tierische Produkte konsumieren, tragen wir also weiterhin dazu bei, dass Grundwasser und Boden mit Nitraten und Phosphaten belastet werden.

 

Fleischproduktion als Klimakiller

Die Weltmeere speichern Kohlendioxid. Durch unseren Hunger auf Fleisch produzieren wir immer mehr klimaschädliche Gase, die im Ozean gespeichert werden. Mehr Kohlendioxid durch unseren Konsum bedeutet auch mehr Kohlendioxid in den Ozeanen, die dadurch saurer werden. Die Folgen für die Meeresbewohner sind fatal: Korallen sterben ab und Lebewesen mit einer Kalkschale verlieren ihre schützende Hülle. Auch Plankton, ein Grundnahrungsmittel vieler Meeresbewohner, ist in sauren Ozeanen nicht mehr zu finden – und so gehen die Lebensräume zahlreicher Tiere und Pflanzen unwiederbringlich verloren.

 

Neue Technologien

Die Art, wie wir Lebensmittel produzieren, wird sich schon bald radikal verändern. Vor allem die Viehzucht steht vor der Disruption. Die ersten Veränderungen erreichen bereits den Supermarkt. Unter anderem in Form von pflanzlichen Burger-Patties, die es inzwischen sogar bei McDonald’s gibt. Das ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch ökonomisch. Nüchtern betrachtet ist eine Kuh heute eine Maschine, die uns mit Proteinen versorgen soll. Dabei ist sie sehr ineffizient: Für eine verhältnismäßig geringe Menge Fleisch muss sie Unmengen an Pflanzen fressen. Warum nutzen wir also nicht gleich das Grünzeug?

Der nächste Entwicklungschritt sind Proteine aus dem Labor – sogenanntes In-vitro-Fleisch, auch Clean-Meat genannt. Für das Laborfleisch werden einem Rind Stammzellen entnommen, die sich in einer Nährlösung vermehren. Innerhalb von wenigen Wochen entsteht so ein Stück Fleisch. Unklar ist derzeit noch, ob das Laborfleisch wirklich so viel umweltfreundlicher ist als das konventionelle Original. Zudem ist fraglich, ob man für die Produktion nicht doch Antibiotika benötigt. Denn da das Laborfleisch kein eigenes Immunsystem hat, muss es vor Keimen geschützt werden – sofern es nicht unter extrem sterilen Bedingungen hergestellt wird. Ganz so „clean“ wäre das „Clean Meat“ dann also nicht mehr. 

Noch klafft beim Thema nachhaltige Fleischproduktion also eine Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Das alternative Fleisch soll so schmecken wie herkömmliches Fleisch, aber umwelt- und klimafreundlicher sein und weniger kosten. Bevor ein solches Produkt allerdings in relevanten Mengen hergestellt werden kann, müssen zunächst noch einige Probleme gelöst und wesentliche Fragen beantwortet werden.

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